Raum entfaltet – Eine Rauminstallation von Studierenden der TH Köln in Zusammenarbeit mit dem SONO KOLLEKTIV

Im Rahmen des MA Stegreifs vom 29.03.2022 unter der Aufsicht von Lynn Kunze wurde in Zusammenarbeit mit dem SONO KOLLEKTIV eine Rauminstallation in der von Gottfried Böhm entworfenen Kirche St. Gertrud geplant und umgesetzt. 

Ziel des Stegreifs war das Verstärken, Unterstreichen, Verweisen oder Hervorheben der Architektur im Zusammenspiel mit Ton und Bild des SONO KOLLEKTIVs. 

KONZEPT

Die Sakralbauten Gottfried Böhms bilden mit ihrer einzigartigen Formsprache eine Raumerfahrung, die sich allem zuvor dagewesenen entzieht. Der brutalistische Beton wird zu einer Architektur, die trotz ihrer Schwere die Leichtigkeit eines emporkragenden Kristalls oder überspannenden Zeltes erzeugt. 

Klassische Gewölbe und gotische Einflüsse werden zitiert, jedoch formal vollkommen neu interpretiert. Das Prinzip des Tragens und des Lastens in Wänden/Pfeilern und Gewölben wird zu einem einzigen Faltwerk, das beide Eigenschaften eint und so den Raum überspannt. Die Tragflächenkonstruktion setzt sich aus einer Vielzahl an Flächen zusammen, die sich nicht nur gegenseitig stützen und ergänzen, sondern letztlich gänzlich voneinander abhängig sind. Alle Baufragmente sind erst in ihrer entsprechenden Fügung und ihrer vorgesehenen Position als vollständig zu betrachten und erzeugen eine Gesamtheit. Das Gewölbe zoniert den Innenraum, bildet Schwellen, eröffnet teils gewaltige Raumhöhen und neigt sich anderswo dem Besucher entgegen, als würde es sagen – hier hätte eine Wand stehen können, die nicht mehr von Nöten war. Einfallendes Licht unterstreicht die Faltungen des Daches indem nicht nur konvexe und konkave Flächen, sondern auch helle und dunkle Kontraste entstehen. Das Horizontale und das Vertikale als Linien und Kern des Sakralen finden im Kirchbau in Form des Kreuzes ihr ideales Gefüge. 

Fotograf: Tim Bahn

Gottfried Böhm verleiht diesen Linien einen neuen Ausdruck. Während sie im äußeren Erscheinungsbild in horizontalen Bändern und turmartigen Bauten auftauchen, vereinen sie sich im Inneren zu einer Klaviatur an Kreuzungspunkten und einem untrennbaren Ganzen. Diese Vollständigkeit der Teile verleiht ihnen eine Emergenz – Ihre Tragfähigkeit. Das Gesamte, in dem jedes Einzelne seinen Platz findet, bildet auch inhaltlich eine starke Verbindung zur Institution Kirche, die für Halt und Gemeinschaft steht. Die Installation knüpft an die räumliche Konzeption der Kirche St. Gertrud an. Das Prinzip der Gleichwertigkeit von Wand und Dach wird übersteigert, indem es auch im Boden weitergeführt wird. Eine liegende Wasserfläche ergänzt das Gebilde um eine weitere Ebene, in der sie die Faltungen des Tragwerkes auf den Boden reflektiert. Sie bildet so eine Überhöhung der kristallinen Optik, die mit dem Raum und dem Besucher in Dialog tritt. Einfallendes Licht wird gespiegelt, während Luftzug und Musik das Wasser in Bewegung versetzen und auf diese Weise bereits gefaltete Flächen optisch weiter brechen. Die Aufmerksamkeit des Besuchers wird gezielt auf das Dach gelenkt, um so Zusammenhänge zwischen dem Grundriss der Kirche und dem Gewölbe herzustellen. Diese Erfahrung soll den Besuchern ein tiefgreifendes Verständnis der Architektur Gottfried Böhms vermitteln.