MASTERSCHAU 2026: MASTERPREIS für herausragende Abschlussarbeiten verliehen

Die Fakultät für Architektur der TH Köln eröffnete am 1. Oktober 2026 die MASTERSCHAU in der Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen. Die Ausstellung präsentiert die Abschlussarbeiten der Masterstudierenden und gibt Einblicke in aktuelle Fragestellungen der Architektur und Stadtentwicklung. Die Projekte reichen von innovativen Entwurfs- und Konstruktionsansätzen über Corporate Architecture und Immobilienökonomie bis hin zu Denkmalpflege und nachhaltigem Bauen.

Insgesamt 26 Absolventinnen und Absolventen präsentierten ihre Arbeiten in der Ausstellung. Ein Höhepunkt war die Verleihung des MASTERPREISES, mit dem herausragende Abschlussarbeiten ausgezeichnet werden. Die von der Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen geförderten Preise sind mit insgesamt 3.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden Arbeiten, die durch eigenständige Ideen, hohe gestalterische Qualität und innovative Antworten auf aktuelle Herausforderungen des Planens und Bauens überzeugen. Alle Arbeiten hatten eine Thematik in Köln. Wir gratulieren allen Preisträgerinnen und Preisträgern herzlich!

Technische Hochschule Köln – 1.10.2026 – Masterschau der Fakultät für Architektur – Preisverleihung und Eröffnung der Ausstellung im Forum der Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen in Köln.

Jury

. Sophia Ungers, Direktorin Ungers Archiv für Architekturwissenschaft

. Andree Haack, Dezernent VI – Stadtentwicklung, Wirtschaft, Planen und Bauen

. Susanna Häck, Architektin BDA, Partnerin bei HÄCK | ARCHITEKTUR, Vorstandsmitglied im hdak und berufenes Mitglied des Wohnungsbauforums Köln

1. preis

Bex Maher

Beyond the Stall.
Prüfer: Prof.in Yasemin Utku und Prof.in Carola Wiese

Begründung der Jury
„Die Arbeit widmet sich einem Thema, das im architektonischen Diskurs kaum Beachtung findet und gerade deshalb so dringlich ist: der Versorgung Kölns mit öffentlichen Toiletten. Ausgangspunkt ist ein breit angelegter internationaler Vergleich, der Kölns Angebot systematisch mit dem anderer Städte in Beziehung setzt, auch solcher, die touristisch weit weniger nachgefragt sind. Der Befund ist eindeutig und unbequem: Köln bildet trotz seiner hohen Besucherzahlen das Schlusslicht. Was Kölnerinnen und Kölner längst als Normalzustand hinnehmen, wird hier als strukturelles Defizit sichtbar gemacht, das Gäste und Stadtgesellschaft gleichermaßen betrifft. Besonders überzeugt die analytische Sauberkeit und Konsequenz, mit der die Verfasserin diesen Befund aufbereitet. Daten, Vergleiche und Schlussfolgerungen sind grafisch so klar übersetzt, dass die Argumentation auf jeder Stufe nachvollziehbar bleibt. Die Arbeit bleibt jedoch nicht bei der Diagnose stehen, sondern entwickelt daraus eine architektonische Antwort. Dabei löst sie nichtnur die Ausgangsfrage, sondern auch Probleme, die in der bisherigen Praxis regelmäßig übergangen werden. Gendergerechtigkeit, Barrierefreiheit und die Bedürfnisse von Menschen am Rand der Gesellschaft sind kein Zusatz, sondern integraler Bestandteil des Konzepts. Gestaltung und Inhalt greifen ineinander, die Antwort ist ästhetisch überzeugend und zugleich sozial durchdacht. Das Ergebnis ist realitätsnah und in der vorgeschlagenen Form umsetzungsfähig. Aus Sicht der Jury ist es für Köln nicht nur machbar, sondern ausdrücklich wünschenswert. Die Jury würdigt eine Arbeit, die sich einer wenig glamourösen Aufgabe mit außergewöhnlicher Ernsthaftigkeit stellt und zeigt, dass Architektur dort den größten Mehrwert schafft, wo sie alltägliche Defiziteernst nimmt. Sie liefert Lösungen, mit denen die Stadt tatsächlich arbeiten könnte.“

Technische Hochschule Köln – 1.10.2026 – Masterschau F05 Architektur 2026 in der Stiftung für Kunst und Baukultur in Köln

1. preis

Georg Brummer

Die Bastei am Rhein zu Köln
Prüfer: Prof. Dr. Daniel Lohmann und Dr. Daniel Buggert

Begründung der Jury
„Die Arbeit setzt sich mit Wilhelm Riphahns Bastei am Kölner Rheinufer auseinander, einem Bauwerk, dessen heutiger kritischer Zustand einen statisch notwendigen Teilrückbau unausweichlich macht. Grundlage ist eine außergewöhnlich fundierte bau- und kunsthistorische Analyse. Der Verfasser hat zahlreiche Bild-, Text- und Planarchive ausgewertet und die Quellen systematisch gegeneinander abgeglichen: Was wurde tatsächlich gebaut, was war nur geplant, was stand wann? So entsteht eine nahezu lückenlose Rekonstruktion der Baugeschichte bis in die 1980er Jahre, einschließlich der Protagonisten. Sichtbar wird dabei, dass das Gebäude bereits in den 1950er und 1980er Jahren teilweise zurückgebaut und in den Fünfzigern von Riphahn selbst weitergedacht wurde. Besonders wertvoll ist die Herausarbeitung des bislang kaum gewürdigten expressionistischen Charakters der Bastei. Die Arbeit zeigt, wie Motive der Höhle, des Berges und der kristallinen Form in diesem kleinen Bauwerk zusammenfinden und wie eng es mit den Künstlergruppen seiner Zeit verbunden ist. Damit erhält die Bastei einen architekturgeschichtlichen Stellenwert, der in der bisherigen Diskussion unterschätzt wurde. Aus der Analyse leitet der Verfasser Bedeutungscluster als Bewertungsmaßstab ab und entwickelt daraus drei Entwurfsantworten. Die erste verzichtet auf jede Rekonstruktion, ist bewusst temporär und rückbaubar angelegt, löst Brandschutz und Barrierefreiheit und ermöglicht eine schnelle Wiedereröffnung, gibt aber das expressionistische Erbe endgültig preis. Die zweite ist eine abstrahierte, freie Neuschöpfung in Anlehnung an den Entwurf von 1924. Die dritte simuliert einen fiktiven Wettbewerb, für den eine KI Entwürfe im Stil bekannter Architekturbüros generiert hat. Alle drei Varianten werden anhand der zuvor definierten Parameter kritisch bewertet. Die Arbeit hinterfragt dabei die gängige denkmalpflegerische Praxis, nach der Verlorenes als endgültig verloren gilt, und stellt die Frage nach Authentizität und Rekonstruktion neu. Der Verfasser maßt sich keine abschließende Antwort an, benennt aber offen die ungelösten Probleme wie Brandschutz, Barrierefreiheit und die Zukunft der Fußgängerbrücke. Die Jury würdigt eine Arbeit, die erlerntes Wissen nicht schematisch anwendet, sondern nutzt, um eigenständig und kritisch zu denken. Sie klärt zahlreiche offene Fragen und Widersprüche und schafft damit eine solide Grundlage, die eine fundierte Diskussion über die Zukunft der Bastei überhaupt erst wieder ermöglicht.“

Technische Hochschule Köln – 1.10.2026 – Masterschau F05 Architektur 2026 in der Stiftung für Kunst und Baukultur in Köln
Modellfoto des Siegerentwurfs von Georg Brummer

1. preis

Francis Cüpper

Reaktivierung am Kölner Hauptbahnhof
Prüfer: Prof.in Dr.in Nadine Zinser-Junghanns und Prof.in Sabine Tastel

Begründung der Jury
„Die Arbeit widmet sich einem der schwierigsten Orte der Kölner Innenstadt: dem Breslauer Platz mit Busbahnhof und dem Gelände des Musical Domes zwischen Hauptbahnhof und Rhein. Ausgangspunkt ist eine präzise Analyse von Blickbeziehungen, Wegestrukturen und Topographie. Sie legt offen, wo Fußwege heute unterbrochen sind, wo Angsträume entstehen und warum etwa der naheliegende Weg vom Bahnhof zum Museum Ludwig kaum möglich ist. Aus diesen Bewegungsströmen entwickelt der Entwurf seine Form. Drei „Scherben“ greifen die natürlichen Laufrichtungen auf und korrespondieren miteinander: ein Mobilitätsbaustein, der den Busbahnhof unter einem einheitlichen Dach ordnet, eine Markthalle auf der oberen Ebene und ein Kulturbau für Konzerte und Theater, der sich zum Rhein hin öffnet. Die Aufteilung reduziert die Gebäudetiefen, bringt Tageslicht in alle Bereiche und schafft Wege auf unterschiedlichen Höhen. Durch die Anhebung des Niveaus wird der Rhein erstmals ohne Querung der Rheinuferstraße erreichbar. Besonders überzeugt der soziale Anspruch. Die Markthalle verbindet niedrigschwellige Gastronomie mit konsumfreien Aufenthaltsflächen für Jugendliche und Versorgungsangeboten für Obdachlose. Überschneidungen sind hier ausdrücklich gewollt: Randgruppen werden nicht verdrängt, sondern selbstverständlich einbezogen. Themen wie Entsiegelung, Grünflächen und Regenwassernutzung sind bis ins Detail durchgearbeitet. Obwohl die Form auf den ersten Blick gestalterisch motiviert wirkt, erweist sie sich als konsequent aus dem Ort heraus entwickelt. Die terrassierten Dachflächen nehmen die Nachbarbebauung auf und fügen sich auch zum geplanten Neubau der Bahnhofsfassade am Breslauer Platz. So entsteht kein Fremdkörper, sondern eine weiche, selbstverständliche Ergänzung des Stadtraums. Trotz der Vielzahl an Funktionen nimmt sich das Gebäude in der Rheinansicht bewusst zurück und überlässt Dom und Hauptbahnhof die Bühne. Auch die Materialität ist unprätentiös und setzt nur wenige, gezielte Akzente. Die Jury würdigt eine Arbeit, die ohne monumentale Geste auskommt und gerade durch ihre Zurückhaltung viel erreicht. Sie gibt der Stadtgesellschaft einen Ort zurück, der vielen offensteht, und zeigt, wie Architektur ohne Ego großen Mehrwert schaffen kann.“

Technische Hochschule Köln – 1.10.2026 – Masterschau F05 Architektur 2026 in der Stiftung für Kunst und Baukultur in Köln
Modellfoto des Siegerentwurfs von Francis Cüpper

Anerkennung

Niklas Diemer und Karla Menzel

Vom Preussischen Bollwerk zum urbanen Möglichkeitsraum. Fort IV und Fort IX
Prüfer: Prof. Dr. Daniel Lohmann und Dr. Hendrik Reinhold

Begründung der Jury
„Beide Arbeiten setzen sich mit einer spezifisch Kölner Situation auseinander: den historischen Forts im Äußeren Grüngürtel. Anhand von zwei konkreten Orten – Fort IV von Niklas Diemer und Fort IX von Karla Menzel – untersuchen sie deren architektonische und stadträumliche Qualitäten und entwickeln daraus eigenständige Entwürfe. Besonders überzeugt die intensive Recherche und die differenzierte Auseinandersetzung mit den jeweiligen Orten, ihrer Geschichte und ihrer Bedeutung. Die Arbeiten zeigen, dass die vorhandenen Bauten nicht lediglich als historische Relikte verstanden werden, sondern als Orte mit eigenständigem Potenzial für eine zeitgemäße Nutzung. Aus der jeweiligen Analyse entwickeln beide Verfasser*innen architektonische Lösungen, die die denkmalgeschützte Substanz respektieren und zugleich neue Nutzungen ermöglichen. Die Entwürfe fügen sich sensibel in die bestehende Architektur und die umgebenden Freiräume ein, ohne den Charakter der Forts zu überformen. Auch die unterschiedlichen vorgeschlagenen Nutzungen sind schlüssig entwickelt und reagieren angemessen auf die jeweiligen räumlichen und historischen Bedingungen. Die Jury würdigt zwei Arbeiten, die sich mit großer Sorgfalt und Eigenständigkeit mit einem wichtigen, zugleich besonderen Bestandteil der Kölner Stadt- und Architekturgeschichte auseinandersetzen. Sie zeigen beispielhaft, wie der Umgang mit denkmalgeschütztem Bestand über dessen Bewahrung hinausgehen und neuePerspektiven für seine zukünftige Nutzung eröffnen kann.“

Technische Hochschule Köln – 1.10.2026 – Masterschau F05 Architektur 2026 in der Stiftung für Kunst und Baukultur in Köln