architectural tuesday | Barry Bergdoll | Nachbericht

Anlässlich seines 50. Todesjahres widmet sich die Vortragsreihe „architectural tuesday“ der TH Köln dem Architekten Mies van der Rohe. Sie begleitet damit die Ausstellung „Mies im Westen“, die im Landeshaus des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) zu sehen ist und die Arbeiten van der Rohes in NRW präsentiert.

Nach einem gelungenen Auftakt der Reihe begrüßten wir Barry Bergdoll aus New York. Der international renommierte Architekturhistoriker gilt als Spezialist für die Architektur Mies van der Rohes. Barry Bergdoll ist Professor für Kunstgeschichte und Archäologie an der Columbia University in New York. Von 2007 bis 2014 war er Chefkurator für Architektur und Design am Museum of Modern Art in New York. Als Spezialist für die Geschichte der modernen Architektur kuratierte er zahlreiche Ausstellungen im MoMA, im Canadian Centre for Architecture und im Musée d’Orsay, 2001 war er der Kurator der großen Ausstellung ‚Mies in Berlin’. Sein breites Interesse gilt der modernen Architekturgeschichte, mit besonderem Schwerpunkt auf Frankreich und Deutschland seit 1750.

Einleitung des Vortrags von Barry Bergdoll mit Daniel Lohmann

In seinem Vortrag „Moving with Mies: Mies’s and the adventure of pre-fabrication in post-war U.S.A.“ ging es, wie der Titel schon verrät, um „pre-fabricated houses“, also vorgefertigte Häuser und dem Bezug zu einem Entwurf von Mies van der Rohe, welcher auch in dieses Muster fällt.

Unter Vorfertigung versteht man die fabriks- oder serienmäßige Produktion von Bauteilen, welche erst im Nachhinein aufgebaut werden. Im 20 Jahrhundert fand die Vorfertigung auch im Hochbau seinen Platz. Um die 1970er gab es einen Boom der Fertigteilhäuser, da sie Vorteile wie geringe Materialkosten und präzise Kalkulation der Baukosten ermöglichten. Diese Bauweise unterstützte den damals aktuellen Gedanken des „american dreams“, bei dem der Bau eines eigenen Hauses als Teil des erfüllten Lebens angesehen wurde. Mit erschwinglichen pre-fabricated houses hatte der Amerikaner nun die Möglichkeit, sich seinen Traum zu erfüllen.

Als ein offensichtliches Beispiel der prefabrication nannte Bergdoll die geplanten Vorstadtsiedlungen von Levittown. Die Stadt besteht weitgehend aus Fertighäusern, die aufgrund der Vorfertigung gleicher Bauteile zum größten Teil gleich aussehen. In Massenproduktion entstand in dem Ort ein neues weißes Häuschen nach dem anderen. Ende 1951 zählte Levittown 17.500 Häuser. Vier Zimmer und ein Badezimmer gab es damals für rund 7000 Dollar.

Haus Riehl 1907 Erstling von Ludwig Mies, Südostseite mit Hauseingang, 2001 nach der Instandsetzung, Rekonstruktion und Innenausbau von Folkerts Architekten 1998 bis 2000 (Urheber: Folkerts Architekten)

Wenn man nun ein altes Werk von Mies betrachtet, steht dies in keiner Verbindung zu der Fertigteilproduktion oder den Werken von Mies, die einem bekannt sind. Nach der Aussage von Barry Bergdoll lässt sich die Architektur auch durch Mies‘ Immigration nach Amerika in verschiedene Stile unterscheiden.
Mies van der Rohe erstellt mit seiner Architektur eine neue Sprache mit seiner Einfachheit, aber Liebe zum Detail.

Als Beispiel nannte Bergdoll das Farnsworth House in unmittelbarer Nähe des Fox Rivers, ein Wochenendhaus welches in 1949-1951 gebaut wurde. Es zählt als eines der weltweit meist geachteten und studierten Struktur, die im 20 Jahrhundert erbaut wurde.
Um dem Hochwasser des Flusses zu trotzen, ist es auf einem rund 1,60m hohen Sockel platziert. Es war das erste Projekt von Mies‘, bei dem der Stahl weiß lackiert wurde.
Ein weiteres Beispiel dafür sind auch die 860–880 Lake Shore Drive Apartments, die in Zusammenarbeit mit dem Projektentwickler Herbert Greenwald, nach Barry Bergdoll einer der wichtigsten Projektmitarbeiter von Mies, in Chicago entstanden. Hierbei handelt es sich um Twin Towers, die aus Stahl und Glass konstruiert sind.

Als ein Projekt, welches einen großen Bezug auf die Fertigteilhäuser hat, nannte Barry Bergdoll das McCormick House. Es ist ein Meisterwerk aus der Mitte des Jahrhunderts und einer von nur drei Residenzen die Mies in den USA hinterlassen hat.
Das Bauhaus-Juwel ist ein gutes Beispiel für die Designphilosophie von Mies: Weniger ist mehr!
Obwohl es sich hierbei auch um ein Haus aus der Vorfertigung handelt und diese vom Preis her immer sehr gering waren, sprengte das McCormick den Rahmen.
Es lag aber nicht nur an den Namen den sich Mies zu der Zeit schon gemacht hatte, sondern auch an der Materialität. Fertigteilhäuser bestanden meist nur aus kostengünstigen und leichten Materialien, wobei Mies van der Rohe eher auf schwere Materialien zählte, wie zum Beispiel Stahl.

Heute dient das Haus für Ausstellungen, denn es gehört zum Elhurst Art Museum. Es entstand ein Korridor, der am McCormick House anknüpfte, jedoch hießen ihn Kritiker für fehl am Platz, darunter auch Barry Bergdoll. Er setze sich dafür ein, den alten Zustand wieder zurückzugewinnen, welcher dann auch umgesetzt wurde, damit das Bauhaus seinen Charakter nicht verliert.

vlnr.  Prof. Norbert Hanenberg (THM), Dr. Ursula Kleefisch-Jobst (M:AI NRW), Prof. Barry Bergdoll, Prof. Dr. Daniel Lohmann (TH Köln), Sabine Schmidt (TH Köln)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Prof. Barry Bergdoll einen guten Einblick in die Thematik der „pre-fabricated houses“ gegeben und die direkte Verbindung zur Architektur von Mies van der Rohe vorgestellt hat.

 

Text: Jakob Schäfer
Bilder vom Vortrag: Fabio Burghardt
Quellen: Haus Riehl, Fransworth House