Agriculture meets Manufacturing – Gewerbegebietsentwicklung im Rahmen der IBA27

Wie kann ein Gewerbegebiet zukunftsfähig, innovativ und nachhaltig weiterentwickelt werden? Mit dieser Fragestellung beschäftigen sich im Wintersemester 2026/27 Studierende des Masterstudiengangs Städtebau NRW. Im Rahmen eines studentischen Wettbewerbs erarbeiten sie kreative und zukunftsweisende Konzepte für die Weiterentwicklung des Gewerbegebiets Fellbach.

Mit dem Modellprojekt „Agriculture meets Manufacturing“ stellt die IBA’27, die anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Werkbundschau in Stuttgart stattfindet, ein als Zwischenraum zu bezeichnendes Gewerbegebiet außerhalb von Stuttgart, in der Stadt Fellbach, ideenreichen Studierendengruppen als Experimentiergrund zur Verfügung. Aufgeteilt in 17 Bearbeitungsbereiche soll das Gewerbegebiet im Rahmen des studentischen Wettbewerbs modern, nachhaltig und zukunftsorientiert weiterentwickelt werden. Der Masterstudiengang Städtebau NRW nimmt mit Prof. Dr.-Ing. Thorsten Erl und M. Sc. Luis Schönthal sowie mit Unterstützung von Dipl.-Ing. Susanne Weihrauch an dem Wettbewerb teil, der im Frühjahr nächsten Jahres mit einer Ausstellung in Stuttgart seinen Abschluss finden wird.

Reisebericht von der zweitägigen Exkursion nach Fellbach 12.10. – 13.10.2026

Stuttgart 21, Weißenhof, Cannstatter Wasen, Käsespätzle. Schwabenland halt. Und dieses Schwabenland lud die Studierenden des ersten Semesters aus dem Verbundstudiengang Master Städtebau NRW zur ersten Exkursion ein.

Herausforderung im Bestand: Wie umgehen mit überformten Strukturen?

Gewerbegebiete sind nach wie vor sehr monoton und einheitlich gestaltet. Die Studierendengruppe beabsichtig visionäre Ideen, um das „Grau“ zu besiegen.

Montag

1. Exkursionstag

Bevor die Wuselei vor Ort beginnen konnte, hieß die erste Mission: Ankommen. Dem Motto „Man probiert mal alles, vielleicht kommt ja wer pünktlich“ folgend, wurden gleich mehrere Wege ins Pünktlichkeitsrennen geschickt. Ob Bahn oder Auto – Hauptsache, alle finden ihren Weg nach Fellbach. Nach und nach trudelten die ersten Studierenden ein und auch wenn die Gruppe um 15 Uhr noch überschaubar war, füllte sie sich bis 16 Uhr zunehmend. Die von Thorsten Erl und Luis Schönthal orchestrierte Neulanderforschung konnte also mit etwas zeitlicher Staffelung starten. Schließlich waren dann alle an Bord und die gemeinsame Erkundung des Gewerbegebiets konnte beginnen.

Die Erkundung des Gewerbegebiets in Fellbach führte die Gruppe anschließend weiter durch das Quartier. Mit Planerschritt, Notizbuch und Kamera ausgestattet, wurde nahezu jede Einfahrt und jeder Winkel unter die Lupe genommen. Mäandernd zwischen Lagerhallen, Büros und allem, was ein schwäbisches Gewerbegebiet nahe Stuttgart zu bieten hat, sammelten die angehenden Städtebauer zahlreiche Eindrücke und Inspirationen. Dabei wurde natürlich auch fleißig fotografiert – so fleißig, dass der gemeinsame Cloud-Ordner wohl ordentlich an seine Speichergrenzen gebracht wurde.

Nachdem auch die angrenzenden Bio-Landwirtschaftsflächen Sicht-, Riech- und haptischen Erkundungen unterzogen wurden, mussten die gesammelten Eindrücke erst einmal verdaut werden. Bekanntlich klappt das am besten bei ’nem Imbiss-Dinner und einigen Hopfenerzeugnissen. So war das Alt-Stuttgart vor der besagten Gruppe wissenshungriger Studierender nicht sicher. Hat Spaß gemacht, wir kommen wieder!

Funktionale Bauten prägen das Erscheinungsbild des Gebietes

Direkt anschließend an das Gewerbegebiet erstrecken sich die Felder Fellbachs. Diese Ortssynergie soll nachhaltig integriert und genutzt werden.

Dienstag

2. Exkursionstag

Mit wenig Schlaf wurde am nächsten Morgen in der Lobby des autonomen Automatenhotels (Danke, Thorsten, für den Neologismus!) der Schlachtplan für den Tag geschmiedet. Das Gewerbegebiet hatte uns noch nicht los. So tummelten sich wieder über 20 Studierende durch Gassen, Tore und Parkplätze, um die Geheimnisse des Entwurfsgebiets 14 zu ergründen. Auch in die ominösen, zur Lebendigkeit zu entfachenden Gebäude wurde mal hineingesehen. Was man da alles so finden kann! Wie auch immer: Nach genug verdutzten Blicken, sodass man sie nicht mehr aufzählen kann, stand noch der geschichtsträchtige Termin des Zwei-Tages-Detours an: der Besuch der Weißenhofsiedlung und der Sonderausstellung der Neuen Architekturschule (N_AS) in der dortigen Architekturgalerie.

Schwärmend von der Lehre in Siegen und wandernd durch die maximal 30 m² große Ausstellung wurde allmählich klar: Verdammt, jetzt müssen wir ja noch zurück in die Jeckenstadt. Auch hier wieder auf verschiedene Pferde setzend, machte sich die lustige Reisegruppe auf den Ritt zurück, kaum an Pausen denkend, denn am nächsten Morgen sollten die gewonnenen Erkenntnisse in richtige Schlussfolgerungen verpackt werden. Projektwoche sei Dank.

Aus Fellbach nehmen wir eine Menge guter Gedanken und Erinnerungen mit. Bis nächstes Jahr zur Ausstellung der Ergebnisse – wir sehen uns, Fellbach!

Verfasser des Textes: Raphael Stock

Fotos: Hannah Wirth