ZUKUNFT ZEUGHAUS
Rückblick
Was als Bachelorarbeit an der Fakultät für Architektur begann, entwickelte sich in den vergangenen Monaten zu einem vielschichtigen Projekt mit mehreren Stationen: Vom Zeughaus-Dinner über eine Ausstellung im historischen Zeughaus bis hin zur Finissage und zum Tag des offenen Denkmals. Dabei rückte die Zukunft eines zentral gelegenen, zugleich jedoch wenig beachteten Ortes in Köln verstärkt in den Fokus.

Foto 1: Das Zeughaus in der Kölner Altstadt-Nord
Ausgangslage
Das Kölnische Stadtmuseum im Zeughausareal
Seit einem Wasserschaden in der Nacht vom 25. auf den 26. Juni 2017 ist das Zeughaus nicht mehr öffentlich zugänglich. Die Dauerausstellung des Kölnischen Stadtmuseums musste vollständig abgebaut werden, seit 2024 ist das Museum in einem Interimsquartier im ehemaligen Modehaus Sauer in der Minoritenstraße untergebracht – auf gerade einmal 750 statt der früheren 1.900 Quadratmetern, mit nur einem Bruchteil der eigenen Sammlung ausgestellt. Ursprünglich sollte das Museum im Rahmen des Wettbewerbs „Historische Mitte Köln“ eine neue, dauerhafte Heimat am Dom finden. Als die Hohe Domkirche Anfang 2024 aus diesem Projekt ausstieg, rückte die Frage nach einer Rückkehr ins Zeughausareal erneut in den Fokus der Kölner Stadtgesellschaft. Das Zeughaus selbst ist dabei ein bauliches Paradox: eines der zentralsten Gebäude der Stadt – direkt an der römischen Stadtmauer, in Sichtweite des Doms – und zugleich eines, das im Alltagsbewusstsein kaum präsent ist. Die technische Gebäudeausstattung stammt größtenteils aus den 1950er-Jahren, es fehlen Lüftung, Klimatisierung, Aufzüge, eine funktionierende Heizung und ein barrierefreier Zugang. Eine Rückkehr des Museums ist damit auch eine architektonische Aufgabe: Bestandsschutz, denkmalgerechter Umbau und zeitgemäße museale Nutzung müssen zusammengedacht werden. Genau in dieser Situation entstand im Sommersemester 2025 an unserer Fakultät die Aufgabenstellung für die Bachelorarbeiten, herausgegeben von Prof. Thorsten Burgmer und Lisanne Kröll und betreut durch die Professor:innen Fabian Storch, Rüdiger Karzel, Carola Wiese, Jochen Siegemund und Dr. Michel Müller. Wie können das Zeughaus und die angrenzende Alte Wache wieder zu einer adäquaten Heimat für das Kölnische Stadtmuseum werden – und wie kann sich das gesamte Areal zu einem lebendigen Kulturquartier entwickeln? Bewusst wurde dabei mit großer gestalterischer Freiheit gearbeitet: Abweichungen von den vorgegebenen Raum- und Nutzungsvorgaben waren ausdrücklich erwünscht, Aspekte wie Denkmalschutz, Statik oder Kosten durften zunächst ausgeblendet werden. Entstanden sind so keine fertigen Lösungen, sondern – wie es Prof. Burgmer formuliert – „eine Einladung zum Weiterdenken und Diskutieren“.
Auftakt
Bachelorausstellung an der Fakultät
Bereits im Juli 2025, direkt im Anschluss an die Prüfungen, waren die Arbeiten erstmals öffentlich zu sehen: im Rahmen der traditionellen Bachelorausstellung am Campus Deutz, wo die gesamte Studierendenschaft der Fakultät einen ersten Eindruck von den unterschiedlichen Entwürfen bekommen konnte. Neun der eingereichten Arbeiten wurden im Anschluss vom Kölnischen Stadtmuseum für eine weitere, deutlich kuratiertere Präsentation ausgewählt – diesmal nicht an der Fakultät, sondern am Ort, um den es inhaltlich ging: im Zeughaus selbst.

Foto 2: Blick in die Bachelorausstellung am Campus Deutz, Juli 2025
Vorbereitung Ausstellung
Das Zeughaus-Dinner
Im März 2026 folgte der nächste Schritt: das „Zeughaus-Dinner“ des Fördervereins „Freunde des. Kölnischen Stadtmuseums“, die Nachfolgeveranstaltung des traditionsreichen „Herrenessens“, das seit 2018 nicht mehr im Zeughaus stattgefunden hatte. Rund 100 bis 120 geladene Gäste kamen im maroden, aber symbolisch aufgeladenen Zeughaus zusammen – mitten im Raum, in dem kurz darauf die Ausstellung eröffnen sollte. Museumsdirektor Dr. Matthias Hamann und Oberbürgermeister Torsten Burmester diskutierten dort auch die Ergebnisse der Bachelorarbeiten. Burmester zeigte sich offen für die symbolische Kraft einer Rückkehr des Museums an seine frühere Wirkungsstätte, vermied aber eine konkrete finanzielle Zusage – zu unklar seien die Sanierungskosten, zu angespannt die städtische Haushaltslage.
Höhepunkt des Abends war die Spendenaktion „Nägel mit Köpfen“: Gegen eine Spende durften die Gäste einen Nagel in die alten Fensterläden des Zeughauses schlagen – eine Anspielung auf eine alte Kölner Tradition.

Foto 3: Während des Zeughaus-Dinners im März 2026
Eröffnung
“Zukunft Zeughaus”
Passend zum Dinner eröffnete am 26. März 2026 im Erdgeschoss des Zeughauses die Ausstellung „Zukunft Zeughaus. Visionen für ein Kulturareal in der Zeughausstraße“ – diesmal für die gesamte Stadtöffentlichkeit zugänglich. Gezeigt wurden Modelle, Pläne, Grundrisse und Schnitte von neun ausgewählten Entwürfen:
• Tim Schleppegrell – Continuing KSM
• Leo Kück – Geschichte überdacht. Brücken der Zeit
• Sina Eschweiler – Zeitgeschichte in der Stadtgeschichte
• Jonatan Znidar – Museum im Herzen der Stadt (KSM)
• Rosa Graffelder – Klammer der Geschichte
• Laila Höhn – Grenzgang
• Jakob Eisenberg – Kulturen der Stadt
• Maya Schneider – Die Kulturkette
• Katharina Greshake – Nodus. Museum in Bewegung

Foto 4: Eine der Stellwände in der Ausstellung, hier der Entwurf „Geschichte überdacht. Brücken der Zeit“
Anders als bei der Bachelorausstellung an der Fakultät stand hier ein einzelner, sehr konkreter Ort im Mittelpunkt: Alle neun Konzepte mussten sich mit demselben Areal – Zeughaus, Alte Wache, Römerbrunnen und dem angrenzenden Parkplatz – auseinandersetzen, entsprechend dicht ließen sich die unterschiedlichen Haltungen im direkten Vergleich erleben. Das Spektrum reichte von autofreien Quartieren und neuen Baukörpern entlang der römischen Stadtmauer über überdachte Freiräume und verbindende Brückenstrukturen bis zu neuen Blickbezügen zum Dom und zusätzlichen Nutzungen für kulturelle Initiativen. Bei aller Unterschiedlichkeit der einzelnen Haltungen verband die Entwürfe ein gemeinsames Grundmotiv: das historische Ensemble neu zu verknüpfen und stärker mit der Innenstadt zu verbinden, statt es als abgeschotteten Solitär zu belassen – das künftige Museum stets gedacht als offener Ort der Begegnung, mit Funktionen, die weit über die eines klassischen Ausstellungshauses hinausgehen. Die Ausstellung war kostenfrei zugänglich, an Wochenenden sowie an ausgewählten KölnTagen, begleitet von Führungen für die Stadtöffentlichkeit sowie einem Modellbau-Workshop für Kinder. Rund 1.000 Menschen besuchten die Ausstellung nach Angaben des Kurators Sascha Pries im Laufe der rund zweimonatigen Laufzeit.
Booklet zur Ausstellung
Zur Ausstellung erschien außerdem ein Booklet mit allen neun Konzepten, das vor Ort auslag und hier als PDF heruntergeladen werden kann.

Foto : Das Booklet zur Ausstellung mit allen neun Konzepten

Foto 6: Blick in die Ausstellung im Erdgeschoss des Zeughauses
Abschluss
Die Finissage
Am 17. Mai 2026 endete die Ausstellung mit einer Finissage, die deutlich mehr Charakter hatte als ein reiner Schlusstermin. Über den Tag verteilt kamen mehr als 100 Menschen ins Zeughaus. Alle neun Ausstellenden waren vor Ort, standen an ihren Modellen für Fragen bereit und erhielten als Dankeschön das Ausstellungsbooklet überreicht. Kurator Sascha Pries und Leo Kück richteten zum Abschluss ein paar Worte an die Gäste und bedankten sich bei allen Beteiligten für die Zusammenarbeit – die, das lässt sich rückblickend sagen, über die gesamte Projektlaufzeit hinweg hervorragend funktioniert hat.
Tag des offenen Denkmals
Am 12. und 13. September 2026 öffnete sich das Zeughaus noch einmal – diesmal im Rahmen des Tags des offenen Denkmals, der größten Kulturveranstaltung Deutschlands. Unter dem bundesweiten Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ öffneten in Köln mehr als 160 Denkmale ihre Türen, koordiniert vom Kölnischen Stadtmuseum gemeinsam mit dem Amt für Denkmalschutz und Denkmalpflege der Stadt Köln. Das Zeughaus war dabei eines der Programm-Highlights: Unter dem Titel „Einblicke in die Zukunft im historischen Zeughaus“ konnten Besucher*innen die unveränderte Ausstellung „Zukunft Zeughaus“ im Rahmen von Führungen noch einmal erleben. Anders als beim Dinner und bei der Finissage waren die Studierenden diesmal nicht mit eingebunden – das Programm lag komplett in den Händen des Museums. Mit mehr als 250 Besuchenden war das Interesse dabei noch einmal groß.
Fazit
Was im Sommersemester 2025 als eine von vielen Bachelorarbeiten begann, hat binnen eines guten Jahres eine ganze Reihe von Formaten durchlaufen – von der internen Fakultätsausstellung bis zur großen, stadtweiten Kulturveranstaltung. Rund 1.000 Besuchende im Zeughaus selbst, mehr als 100 bei der Finissage, mehr als 250 beim Tag des offenen Denkmals, dazu ein Dinner mit Oberbürgermeister und Museumsdirektor: Für ein Gebäude, das jahrelang praktisch unsichtbar war, ist das eine bemerkenswerte Wegstrecke. Ob und wann das Kölnische Stadtmuseum tatsächlich wieder ins Zeughaus zurückkehrt, ist weiterhin offen – aber das Thema ist, auch dank der Arbeit unserer Studierenden, sichtbar geworden und bleibt im Gespräch.
Ein herzlicher Dank geht an das Kölnische Stadtmuseum, insbesondere an Dr. Matthias Hamann und Kurator Sascha Pries, an den Förderverein „Freunde des Kölnischen Stadtmuseums“ sowie an unsere Betreuer:innen Prof. Thorsten Burgmer und Lisanne Kröll für die Begleitung des gesamten Projekts.
Foto 1: Peter Sondermann
Foto 2: Tim Schleppegrell
Foto 3: Constantin Ehrchen
Titelbild, Fotos 4 – 6: Leo Kück
Foto 7: Sina Eschweiler
Text: Leo Kück