Verleihung der HDAK | TH Köln Auszeichnung für kreative Stadtkonzepte

Am 14. Juli 2026 wurden im Kubus des Haus der Architektur Köln die beiden Gewinnerteams der HDAK | TH Köln – Auszeichnung für kreative Stadtkonzepte ausgezeichnet. Zum zweiten Mal vergeben das Haus der Architektur Köln und die Fakultät für Architektur der TH Köln diesen Preis gemeinsam an Masterstudierende – verbunden mit einem Preisgeld von insgesamt 1.000 Euro und, ebenso wichtig, mit der Möglichkeit, die eigene Arbeit im Kubus vor Publikum zu vertreten.

Initiiert wurde die Auszeichnung von Susanna Häck, Architektin und Vorstandsmitglied des hdak. Sie hat die Idee an die Fakultät für Architektur herangetragen, seither wird der Preis gemeinsam vergeben. Genau darum geht es dem hdak: studentische Ideen aus dem Hochschulkontext herauszuholen und dorthin zu bringen, wo sie diskutiert, hinterfragt und weitergedacht werden.

Eröffnet wurde der Abend von Dörte Gatermann, Vorstandsvorsitzende des hdak. Prof. Sabine Tastel (TH Köln) führte anschließend in die Aufgabenstellung ein und ordnete sie städtebaulich ein. Als Professorin für Stadt- und Freiraumgestaltung forscht sie zu urbanen Obsoleszenzen – zu Räumen und Bauten also, die aus ihrer angestammten Nutzung fallen und gerade dadurch zur Ressource für die Stadt werden; ihr Buch „Die obsolete Stadt – Wege in die Zirkularität“ (mit Stefan Rettich, 2025) beschreibt Wege dorthin. Dass der Stegreif sich übersehenen Restflächen widmet, ist insofern kein Zufall. Sie begleitet die Auszeichnung seit der ersten Ausgabe fachlich und hat die Zusammenarbeit zwischen TH Köln und hdak mit auf den Weg gebracht.

Elisa Kania M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrgebiet Entwerfen, Konstruieren & Gebäudelehre bei Prof. Carola Wiese, die dieses Jahr ebenfalls der Jury angehörte, hatte das Stegreifthema ausgesucht und erläuterte ausführlich dessen Hintergrund: warum ausgerechnet die Räume unter der Deutzer Brücke – jene Zwischenräume, die weder Durchgangs- noch Aufenthaltsort sind und sich einer eindeutigen Zuschreibung entziehen – ein so aufschlussreiches Untersuchungsfeld sind.

Bridging the Gap

Der Entwurf nutzt einen Umstand, der sonst kaum auffällt: Der Weg unterhalb der Brücke wird mittig von einer rund zwei Meter breiten Fuge durchzogen. Statt sie zu schließen, macht die Arbeit sie zum Thema. Auf beiden Rheinseiten führen Spindeltreppen hinab zu den Pfeilern – jenen Auflagern, auf denen die Brücke im Wasser steht.

Ein Ort, den man sonst nur von weitem sieht und der plötzlich betretbar wird: um den Schiffen zuzusehen, um den Fluss aus einer Perspektive zu erleben, die es in Köln so bisher nicht gibt. Die beiden Pfeiler bleiben dabei bewusst unverbunden – der Schiffsverkehr soll ungestört bleiben. Um die Trennung dennoch zu überbrücken, hat das Team eine Art modernes Schnurtelefon installiert, über das man sich von Ufer zu Ufer verständigen kann. Eine Idee mit Witz, die den Titel der Arbeit ganz beiläufig einlöst.

Linksrheinisch, auf Altstadtseite, lädt eine lange, ganz schlicht gehaltene Sitzbank zum Verweilen ein.

Max Mayer und Lucas Dübbelde

Die Spindel dieser Seite ist zugleich die spielerischste: Ihre Reling besteht aus Klangstäben, mit denen sich interagieren lässt, und in ihrer Mitte hängt ein großes Pendel, das auf die Schwingungen der Brücke und des darüber rollenden Verkehrs reagiert – und das man ebenso selbst in Bewegung bringen kann. Rechtsrheinisch sorgt eine Wasserfontäne für Vergnügen und an heißen Tagen zugleich für ein besseres Klima unter der Brücke. Ergänzt wird sie dort durch einen Kiosk und ein WC – Letzteres in Köln bekanntlich Mangelware. Am Kiosk lassen sich Sitzkuben ausleihen, um vor Ort zu verweilen.

Ein durchdachtes Detail ist die Beleuchtung: Sie inszeniert nicht nur die Fuge, sondern bringt Licht in eine nachts eher düstere Unterführung – aus einem Angstraum wird ein Ort, an dem man sich aufhalten mag.

Im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Der Entwurf arbeitet durchgehend mit der Brücke selbst – und je genauer man sich die einzelnen Situationen und ihre Nutzung vorstellte, desto interessanter wurden sie. Genau das hat überzeugt. Susanna Häck, Jurymitglied und Initiatorin der Auszeichnung, würde sich eine Realisierung sehr wünschen: An einem sonst übersehenen und ungenutzten Ort könnte so ein echtes Highlight für die Stadt entstehen.

Brücken-Kopf Kino

Das zweite Team verfolgte einen ganz anderen Ansatz: Statt neue Wege zu erschließen, ordnet es den vorhandenen Raum – mit einfachen Mitteln, aber mit sehr genauem Blick.

Rechtsrheinisch wendet sich ein großes Möbel der Brückenwand zu. Diese wurde leicht konkav ausgeformt und mit Licht farblich als haltende Geste gefasst. So entsteht eine Fläche, die den Schall zurückwirft und zugleich als Leinwand für Filmvorführungen dienen kann. Der sonst sehr breite Durchgang wird damit in zwei Funktionen geteilt: Die abgewandte Seite der Bank richtet sich zum Rhein hin – zum Verweilen und Schauen. Beweglich bleibt dabei fast alles: Kleinere Kuben lassen sich über die vorhandenen Gleise verschieben und stapeln, und auch das große Möbel kann unterteilt und verschoben werden, je nachdem, was der Ort gerade braucht.

Linksrheinisch zeigte die Verkehrsanalyse, dass dort ein Wendekreis liegt – lediglich als Kreis auf dem Boden markiert und offenbar nur selten genutzt. Genau darauf platziert der Entwurf eine runde Bühne mit umlaufender Erhöhung als Sitzunterbau, die vollständig innerhalb des Wendekreises bleibt und den möglichen Verkehr damit nicht stört.

Jan Jurek Waters u. Fenja Eesmann

Ergänzt wird sie um einen Kiosk mit WC. Denkbar sind Konzerte, Straßenmusik, Filmvorführungen oder kleinere Pop-up-Nutzungen – Formate, die sich Restflächen ohnehin gern zunutze machen und hier einen eigenen Ort bekämen. Sitzen lässt sich auf der Erhöhung, bei Bedarf ergänzt um weitere Stühle.

Besonders gewürdigt wurde von Publikum und Jury der Umgang mit den örtlichen Gegebenheiten. Dass der Wendekreis überhaupt bemerkt und einbezogen wurde, mag selbstverständlich klingen – tatsächlich hatte ihn keine andere Arbeit gesehen. Grundlage war eine Bewegungs- und Verkehrsanalyse vor Ort, die Fußgänger:innen, Radfahrende und den Autoverkehr gleichermaßen einbezog. Auch die historischen Gleise wurden aufgegriffen. Überzeugend war nicht zuletzt, dass all das mit vergleichsweise einfachen Mitteln umsetzbar wäre – ein starker Realitätsbezug.

Was beide Arbeiten verbindet

Beiden Entwürfen war eine intensive Auseinandersetzung mit dem Ort anzumerken, und genau das machte ihre Qualität aus. Der Jury war wichtig, dass die Arbeiten nur an diesem konkreten Ort funktionieren – nicht irgendwo, nicht ohne die Brücke. Diese Prämisse haben beide Teams mit Bravour erfüllt.

Dass solche Ideen ihren Weg in die Stadtgesellschaft finden, ist dem hdak ein besonderes Anliegen. Dafür machen wir das. Studierende schauen mit einem unverstellten Blick auf Orte, an denen wir alle täglich vorbeigehen – und sehen dort Möglichkeiten, wo andere nur Restfläche sehen. Diese Ideen zu honorieren und sichtbar zu machen, ist der Sinn dieser Auszeichnung. Unser Wunsch ist, dass sie auch in der Stadtverwaltung gehört werden und als Anstoß dienen für die Gestaltung unserer gemeinsamen Stadt – für ein besseres, schöneres Köln.

Zum Abschluss des Abends überreichte Dörte Gatermann den Teams ihre Pokale, Prof. Sabine Tastel die Urkunden. Danach blieb noch Zeit für Fotos und für Gespräche zwischen Studierenden, Jury und Publikum.

Der Jury gehörten an: Prof. Sabine Tastel (TH Köln), Prof. Carola Wiese (TH Köln) und Susanna Häck (Architektin und Vorstandsmitglied hdak).

Ein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten der TH Köln, die zur Umsetzung dieses Projekts beigetragen haben – in der Jury, in der Organisation und durch ihre Präsenz am Abend.