Ein kreislauffähiger Pavillon für den Allerweltshof in Ehrenfeld

Summerschool 2.0

In der KW 27 2026 haben 15 Architekturstudierende der TH Köln unter Betreuung von Marcello Bonon und Sarah Jarosch einen kreislauffähigen Pavillon auf dem Gelände des Allerweltshauses in Köln-Ehrenfeld errichtet

– die Summer School 2.0 des bau.labor.

Bild 1: Fertiger Pavillon

Von der Entsiegelung zum Fundament

Der Pavillon steht nicht für sich allein, sondern ist Teil eines längeren Prozesses. Bereits in der Summer School 2025 wurde eine große Fläche im Innenhof des Allerweltshauses entsiegelt. Die dabei anfallenden Asphaltbrocken wurden nicht entsorgt, sondern wanderten in Gabionen – genau diese bilden heute das Fundament des neuen Pavillons. Aus einer eigentlich sperrigen Abbruchmasse wurde so ein tragendes Bauteil und die graue Energie wurde gesichert.

Bild 2: Fundament auf Basis der Summer School 2025

Ein Modell, bevor es auf die Baustelle ging

Eine Woche vor dem eigentlichen Baustart entstand im bau.labor ein Modell im Maßstab 1:20.

Konstruktion und Bauablauf wurden im Kleinen durchgespielt, damit auf der Baustelle jeder Handgriff saß. 

Bild 3: Modellbau als Generalprobe

Zirkularität und Regionalität als Konstruktionsprinzip

Das Projekt setzt konsequent auf Zirkularität. Die Konstruktion aus Gerüststangen ist ausschließlich geschraubt oder gesteckt, auch die Dachkonstruktion aus Holz kommt ganz ohne Verklebungen aus. So entstanden Fügungen zwischen Metallbau und Holzbau, die nicht nur im Lehrbuch stehen. Das Material dafür stammte größtenteils aus Sponsoring oder Recycling – für die Gabionen kam zusätzlich Abbruchmaterial von umliegenden Baustellen zum Einsatz.

Ganz nach Plan lief es dabei nicht: Material kam kurzfristig in geänderten Mengen oder anderen Maßen an, sodass viele Detailentscheidungen erst vor Ort getroffen werden mussten. Genau darin lag die eigentliche Herausforderung der Woche und zugleich der Kern des Lernprozesses. Statt starr an der Planung festzuhalten, entwickelte das Team spontane, robuste Lösungen und passte die Konstruktion Schritt für Schritt an das an, was tatsächlich verfügbar war.

Bild 4: Detail Fügungspunkt

Bild 4: Detail Fügungspunkt II

Die Bauwoche Tag für Tag

Bautag 1: Baustelleneinrichtung und Vorbereitung der Gabionen, ergänzt durch einen Besuch auf einem Schrottplatz. Aufgebaut wird auch der Bauleitungswagen, der die kommenden Tage als Materiallager und Besprechungsraum dient. Unter die Gabionen kommen Gewindefußplatten auf Bautenschutzmatten – der Startschuss für eine Woche, die von Improvisation und Materialsuche geprägt war.

Bautag 2 und 3: Die Stützen werden gestellt und binden viel Zeit, denn der Boden fällt zu einer Seite hin ab, was die Ausrichtung deutlich erschwert. Die Konstruktion wächst abschnittsweise: Auf die Stützen folgen die unteren horizontalen Verbindungsstangen, dann die Haupträger – die oberen Verbindungsstangen und schließlich die Dachträger. Die Haupträger werden dafür zunächst am Boden zusammengefügt und erst danach oben angebracht. Zur Kontrolle der Waage kommt ein Wasserschlauch zum Einsatz. Jeder Abschnitt wird direkt beim Aufbau ausgerichtet. Als die Konstruktion schließlich steht, zeigt sich, dass sie sich während des Bauens leicht verzogen hat und ein zweiter, genauerer Ausrichtungsdurchgang folgt. Die Gerüststangen werden untereinander mit Kupplungen befestigt, deren Anordnung sich am Momenten- und Kraftverlauf orientiert. 

Bautag 4: Auf die Dachträger wird die Holzunterkonstruktion geschraubt und über Schellen miteinander verbunden. Anschließend werden die Dachplatten zugeschnitten und auf die Unterkonstruktion geschraubt. Das Tagesziel wird erreicht, auch wenn dafür einige kurzfristige Anpassungen nötig sind.

Bautag 5: Das Dach erhält seine Abdeckung durch eine Folie, dazu kommen die Aufkantung des Dachaufbaus und die Dachrinne. Der Pavillon ist fertig und eine intensive Woche mit einer beachtlichen Leistung des gesamten Teams liegt hinter allen Beteiligten.

Bild 6: Der fertige Pavillon

Vorbeischauen erwünscht

Zu finden ist der Pavillon auf dem Allerweltshof in der Geisselstraße 3-5 in Köln-Ehrenfeld – wer möchte, ist herzlich eingeladen, vorbeizuschauen und sich das Ergebnis vor Ort anzusehen.

Betreuung: Marcello Bonon, Sarah Jarosch

Team: 15 Studierende der TH Köln

Bild: Loana

Text: Leo und Sarah