Stadtentwicklung über Grenzen hinweg
BIP Paris
Ein Auslandsaufenthalt vor dem Ende des Studiums
Kurz vor dem Studienabschluss noch einmal Erfahrungen im Ausland zu sammeln, ist nicht immer ganz einfach. Ein komplettes Auslandssemester lässt sich zu diesem Zeitpunkt oft nur schwer in den Studienverlauf einbauen. Das Erasmus+ Blended Intensive Programme, kurz BIP, bietet dafür eine interessante Alternative: internationaler Austausch, neue fachliche Eindrücke und ein Auslandsaufenthalt – konzentriert auf wenige Tage.
Unter dem Titel „Transformative Engagement: Universities Catalyzing Vulnerable Neighborhood Regeneration“ ging es während der Woche vor allem um die Frage, wie Städte und Quartiere lebenswerter, inklusiver und zukunftsfähiger gestaltet werden können.
Von der TH Köln nahmen ein Student sowie Dr. Dan Zhu an dem Programm teil. Die Anreise nach Frankreich erfolgte mit dem Eurostar. Schon vor Beginn stellte sich die Frage, wie ein solches internationales Programm ablaufen würde und was eine Gruppe mit ganz unterschiedlichen fachlichen Hintergründen innerhalb einer Woche gemeinsam erarbeiten kann.
Montag
Ankommen in Val d’Europe
Schon bei der Ankunft fiel auf, wie geordnet und durchgeplant Val d’Europe wirkt. Gebäude, Straßen und Freiflächen scheinen Teil eines größeren Gesamtkonzepts zu sein – ein Eindruck, der sich im Laufe der Woche bestätigte.
Nach dem ersten Kennenlernen gab eine Bürgermeisterin aus der Region Einblicke in die Entwicklung von Val d’Europe und der umliegenden Gemeinden.
Besonders interessant war der Einfluss von Disneyland Paris auf die Entwicklung des Gebiets. Der Freizeitpark prägt nicht nur den Tourismus, sondern auch Verkehrswege, Wohngebiete, Arbeitsplätze und die weitere Stadtentwicklung.

Dienstag
Inklusion und Stadtentwicklung mit LEGO
Am Dienstag führte das Programm nach Magny-le-Hongre. Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinde zeigten, wie dort die Bedürfnisse älterer Menschen und von Menschen mit Einschränkungen in die Stadtentwicklung einbezogen werden.
Am Nachmittag folgte ein LEGO-Workshop als lockere Abwechslung zu den bisherigen Vorträgen. Mit möglichst wenigen Bausteinen sollten Vorstellungen einer idealen Stadt dargestellt werden.
Dabei wurde schnell deutlich, wie unterschiedlich die Perspektiven innerhalb der Gruppe waren. Neben Architektur und Stadtplanung waren auch soziale, wissenschaftliche und weitere Fachrichtungen vertreten. Die Modelle machten diese Unterschiede sichtbar und boten eine gute Grundlage für den weiteren Austausch.

Mittwoch
Smart City in Issy-les-Moulineaux
Ein besonderes Highlight war der Besuch im Rathaus von Issy-les-Moulineaux. Dort gab die digitale Abteilung der Stadtverwaltung Einblicke in die Smart-City-Strategie. Blogentwurf BIP Paris 2026 | Seite 3
Vorgestellt wurde unter anderem eine zentrale Anwendung, in der verschiedene städtische Informationen und Verwaltungsangebote gebündelt werden. Zusätzlich soll eine stadteigene KI Bürgerinnen und Bürger bei Fragen unterstützen. Gleichzeitig gibt es Hilfsangebote und Workshops für Menschen, die im Umgang mit digitalen Anwendungen Unterstützung benötigen.
Bei einem anschließenden Stadtspaziergang wurden weitere technische Lösungen gezeigt. Dazu gehörte ein System, bei dem Abfälle unterirdisch zu Sammelstellen transportiert werden. Der Besuch zeigte sehr anschaulich, welche Möglichkeiten Digitalisierung für eine moderne Stadtverwaltung bieten kann.
Auch am Abend blieb Zeit, Paris gemeinsam zu erleben und sich außerhalb der Workshops besser kennenzulernen.

Donnerstag
Ungewohnte Methoden und neue Perspektiven
Am Donnerstag war die Gruppe zunächst auf dem größeren Campus der Université Gustave Eiffel zu Gast. In einem Workshop wurden die Perspektiven verschiedener Akteure durch Bewegungen und Positionen im Raum dargestellt. Je nach Aussage sollten sich die Teilnehmenden annähern oder voneinander entfernen.
Die Methode erinnerte teilweise an Improvisationstheater und war für einen Workshop im Bereich Architektur und Stadtplanung eher ungewöhnlich.
Später ging es erneut um die Frage, was eine lebenswerte Stadt ausmacht. Dafür wurde der Umriss eines Menschen auf ein großes Blatt gezeichnet und anschließend gemeinsam ergänzt. Die Methode war ungewohnt, sorgte aber gerade deshalb für einen anderen Blick auf bekannte Themen.

Freitag
Polaroids, Paris und ein herzlicher Abschied
Am letzten Tag wurden die Polaroidaufnahmen vorgestellt, die während der Woche in den Gruppen entstanden waren. Die Bilder sollten nicht nur schöne Orte zeigen, sondern auch kleine Details, Widersprüche und besondere Situationen im Stadtraum festhalten.
Danach wurden die Eindrücke der Woche gemeinsam zusammengetragen. Der Abschied fiel herzlich aus und war mit Einladungen an verschiedene Hochschulstandorte verbunden – unter anderem nach Spanien, Portugal, Finnland, Mexiko, Indien und Slowenien.
Auch außerhalb des offiziellen Programms blieb genug Zeit für gemeinsame Abendessen, Spaziergänge und Fahrten durch Paris. Gerade diese Gespräche sorgten dafür, dass aus der internationalen Gruppe im Laufe der Woche eine Gemeinschaft entstand.

BIP
Fazit
Das BIP zeigte, dass Stadtentwicklung nicht nur aus architektonischen und städtebaulichen Themen besteht. Auch soziale, digitale und gesellschaftliche Fragen spielten eine wichtige Rolle.
Weniger positiv war der hohe organisatorische Aufwand vor und nach der Reise. Die notwendigen Anmeldungen und Unterlagen waren teilweise nicht besonders übersichtlich. Durch die Unterstützung der Hochschule konnten offene Fragen zwar gut geklärt werden, dennoch wären einfachere Abläufe wünschenswert.
Insgesamt bot die Woche viele neue fachliche und persönliche Eindrücke. Besonders der Austausch mit Teilnehmenden aus unterschiedlichen Ländern und Fachrichtungen machte das Programm interessant. Die Verbindung aus fachlichem Programm, internationalem Austausch und dem direkten Erleben vor Ort macht ein BIP zu einer guten Möglichkeit, auch kurz vor dem Studienabschluss noch Erfahrungen im Ausland zu sammeln.

Bilder: Mahmud Mohammed
Text: Mahmud Mohammed