Ausstellung in Odenthal – Nachbericht

Bauaufnahme trifft 3D-Druck: Wie Architekturstudierende der TH Köln das Odenthaler Rathaus neu vermessen und modellieren

Die Ausstellung in der Kleinen Rathausgalerie zeigt die Ergebnisse eines zweijährigen Lehrprojekts: von klassischen Grundrissen bis zu innovativen 3D-Modellen, die das komplexe Gefüge eines historischen Gebäudes begreifbar machen. Besuchende erhalten Einblicke in unterschiedliche Messmethoden und die Bedeutung von Bestandsanalyse in Lehre und Praxis.

Foto: Leo Kück

Bauaufnahme des Odenthaler Rathauses – Ausstellung in der Kleinen Rathausgalerie

Am 9. Januar wurde die Ausstellung zur Bauaufnahme des Odenthaler Rathauses in der Kleinen Rathausgalerieoffiziell eröffnet. Das Projekt ist ein Lehr- und Forschungsbeitrag von Studierenden der Fakultät für Architektur der TH Köln aus dem 4. Semester, entstanden im Rahmen des Moduls Architekturwissenschaften 4. Die Ausstellung richtet sich gleichermaßen an Architekturstudierende, Fachinteressierte und die breite Öffentlichkeit und ist bis zum 25. Januar zu den Öffnungszeiten Montag–Donnerstag 10 – 17 Uhr sowie Freitag 10 – 12 Uhr zu sehen.

Ein Gebäude mit Geschichte und Komplexität

Das Odenthaler Rathaus ist seit dem späten 19. Jahrhundert Sitz der Gemeindeverwaltung und prägt das Ortsbild als Ort bürgerlicher Begegnung und Verwaltung. Aufgrund der verschiedenen Zeitschichten und späteren Anbauten weist das Gebäude eine hohe räumliche und konstruktive Komplexität auf – ein Grund dafür sind unter anderem die unterschiedlichen Raumhöhen im Erdgeschoss, die sich in den Mauerwerksstrukturen und Bauteilübergängen manifestieren.

Inhalt und Aufbau der Ausstellung

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die systematische Bauaufnahme des bestehenden Gebäudes. Gezeigt werden die klassischen Grundlagen der Bestandsdokumentation, darunter Grundrisse, Schnitte und Ansichten, ergänzt durch detaillierte Untersuchungen einzelner Bauteile wie Mauerwerksbereiche oder die Eingangstür. Eine Wandabwicklungvermittelt zusätzlich ein zusammenhängendes Bild des Eingangsbereiches und unterstützt das Verständnis des Baukörpers.

Diese Darstellungen machen den Prozess der Bauaufnahme nachvollziehbar und zeigen, wie aus Messungen und Beobachtungen präzise Zeichnungen entstehen – eine zentrale Kompetenz im Architekturstudium und eine wichtige Grundlage für jede Form von Weiterplanung im Bestand.

Bilder: Leo Kück

Digitale Methoden und 3D-Modelle als Ergänzung

Das Projekt wurde über das ursprüngliche Semester hinaus zwei Jahre lang weitergeführt. Während der ersten Bauaufnahme 2023 nutzten die Studierenden klassische Messmittel wie Laserentfernungsmesser, Zollstock und Maßband sowie erste fotogrammetrische Bilder vom Boden aus. Diese Daten reichten jedoch nicht aus, um alle Bauteile, insbesondere der Dachflächen, vollständig zu erfassen.

Im Jahr 2025 flogen die Studierenden deshalb eine Drohne, mit der etwa 1500 Fotos gemacht wurden. Aus diesen Bildern entstand ein digitales 3D-Modell mithilfe der Software Agisoft Metashape, das anschließend in Rhino 3D bearbeitet und physisch 3D-gedruckt wurde.

Parallel dazu wurde auf Basis der klassischen Bauaufnahme ein weiteres 3D-Modell in Archicad erstellt und ebenfalls gedruckt. Durch diese beiden physischen Modelle lässt sich der Unterschied zwischen traditionellen und digitalen Methoden unmittelbar vergleichen und räumlich erfassen – ein Erlebnis, das zweidimensionale Pläne allein nicht bieten können.

Ein kurzes Video in der Ausstellung gibt zudem Einblicke in den Prozess des 3D-Drucks und macht die Entstehung der Modelle anschaulich.

Vernissage und Austausch

Die Eröffnung begann mit einem Sektempfang und einer Einführung durch den Kurator. Anschließend präsentierten die Studierenden ihre Arbeiten und standen in Gesprächen mit Gäst:innen und Interessierten Rede und Antwort. In einer offenen Fragerunde konnten Besucher:innen Vertiefungen zu Methodik, Prozess und Ergebnissen erfahren. Schon am Vortag hatte die Bürgermeisterin das Projekt besucht, das auf rege öffentliche Resonanz stieß und viele Rückfragen auslöste.

Bilder: Marvin Aaron Franz

Bedeutung der Bauaufnahme

Die Ergebnisse des Projekts gehen über die akademische Aufgabe hinaus: Die erarbeiteten Pläne und Modelle wurden vom Bauamt der Gemeinde für künftige Planungen übernommen, was die praktische Relevanz der Bauaufnahme unterstreicht. Die Ausstellung zeigt beispielhaft, wie sich traditionelle Messmethoden und moderne digitale Verfahren sinnvoll verbinden lassen und wie wichtig eine solide Bestandsanalyse für das Verständnis und die Weiterentwicklung historischer Gebäude ist.

Text: Leo Kück

Bilder: Leo Kück und Marvin Aaron Franz