Ausgabe der Bachelor-Arbeit mit Peter Cachola Schmal, Direktor des DAM

Im Rahmen der Ausgabe der Aufgabenstellung zur Bachelorarbeit im SS 2015  hatten wir die Ehre, Peter Cachola Schmal, Architekt, Architekturkritiker und Direktor des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt (DAM), als Gast bei uns an der Fakultät für Architektur am 23.04.15 begrüßen zu dürfen.

Peter Cachola Schmal, DAM

Die Bachelor-­Thesis dieses Sommersemesters trägt den Titel „Ein Deutsches ArchitekturInstitut“ und beinhaltet die Entwicklung eines Architekturinstituts in Köln, das unter Berücksichtigung der städtebaulichen, funktionalen und atmosphärischen Parameter die Programmatik des Ausstellens, Archivierens und Vermittelns von Architektur in angemessenen Räumen präsentiert.

In diesem Semester werden die angehenden Bachelor-Absolventen von vier Instituten betreut, die den Studierenden unterschiedliche Vertiefungsschwerpunkte in der Auseinandersetzung mit dem wichtigen Thema der Architekturvermittlung in Form eines Gebäudes anbieten. In diesem Sinne werden sich neben dem Institut für Architektur. Konstruktion. Theorie (IN01) und dem Institut für Gestaltung (IN02) auch das Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege (IN04) sowie das Institut für EnergieEffiziente Architektur3 (IN06) an der Bachelor-­Thesis beteiligen.

In einem ebenso spannenden wie lebhaften Vortrag gewährte Peter Cachola Schmal im Anschluss an die Vorstellung der Bachelor-­Thesis einen faszinierenden Einblick in die Welt des DAM in Frankfurt, eines der renommiertesten Architekturmuseen Europas. Durch viele Details und Anekdoten wurde dem Publikum ein Eindruck über die Aufgaben, Probleme und Herausforderungen vermittelt, denen sich ein Architekturmuseum und insbesondere sein Direktor heute stellen müssen. Vor allem die Vielschichtigkeit der Aufgaben, die mit einer adäquaten Auseinandersetzung mit dem Thema der Architekturvermittlung einhergehen, wurde deutlich: Neben der klassischen Ausstellungs-­ und Archivthematik sowie diversen Veranstaltungen, wie Symposien und Fachvorträgen, stehen auch die Auslobung von Architekturpreisen, publizistische Tätigkeiten, Kooperationen mit internationalen Einrichtungen und pädagogisches Engagement in Form von Weiterbildungs-­ und Integrationsmaßnahmen von Schülern, Eltern, Lehrern und der interessierten Öffentlichkeit auf der Agenda des DAM.

Auch praktisch ging Peter Cachola Schmal ins Detail und verdeutlichte die Diskrepanz eines vor allem lichttechnisch idealen Ausstellungsraumes in Form einer reinen black box und seiner notwendigen architektonischen Präsenz nach außen (transparente, leichte und einladende Architektur), um maximale Öffentlichkeit zu generieren.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich durch viele tiefgreifende Fragen der Studierenden, wie komplex der Spagat ist, den eine Institution wie das DAM im 21. Jahrhundert in Anbetracht der Globalisierung bzw. zunehmenden Digitalisierung leisten muss – das heißt Altes zu wahren und zugleich mit der Zeit zugehen. Sinnbildlich hierfür steht sowohl auf inhaltlicher als auch auf funktionaler Ebene die Frage des Umgangs mit der Archivierung und Zurverfügungstellung analoger und digitaler Architekturmedien. Vor allem aber die Fragen, welche Architektur ein Architekturinstitut überhaupt vertrage und ob diese nicht selbst zum Exponat werden müsse, stellten einen besonderen Schwerpunkt der Diskussion dar. Wie stark darf die Architektur eines Gebäudes sein, welches die Präsentation und Vermittlung von Architektur als Nutzung beinhaltet? Im Falle des DAM bzw. Oswald Mathias Ungers Umbau der Villa am Schaumainkai als gebaute Architekturtheorie liege eine starke und äußerst präsente Architektur vor, die ein Architekturmuseum aber auch brauche, so Cachola Schmal. Die Gründe hierfür liegen nicht nur in der besseren Öffentlichkeit, die solch ein an sich berühmtes Gebäude bereits mitbringt und die für ein Museum überlebenswichtig ist, sondern vor allem darin, dass es den Umgang des jeweiligen Nutzers mit dem Gebäude stets zu einem spannenden Spiel gleichwertiger Kräfte macht.

Auf die abschließende Frage, was der Direktor des Deutschen Architekturmuseums sich den selbst von einem guten Architekturmuseum wünsche, antwortete Peter Cachola Schmal sehr entschieden: Neben der guten Lage müsse es sich um eine Architektur handeln, die so stark ist, dass sie in allen Situationen und auf allen Ebenen inhaltlich und technisch (be)nutzbar bleibt.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Peter Cachola Schmal für den interessanten und umfassenden Einblick hinter die Kulissen eines Architekturmuseums, der nicht nur die Studierenden in Anbetracht ihrer nun anstehenden Entwurfsaufgabe inspiriert hat, und freuen uns auf viele spannende Entwürfe im Zuge der Bachelor-Thesis.

Florian Engelhardt, 16.04.2015